WS 1.4301 (X5CrNi1810)
Der klassische V2A-Stahl. Ein austenitischer, säurebeständiger 18/10 Cr-Ni-Stahl, der wegen seines niedrigen Kohlenstoffgehaltes nach dem Schweisen bei Blechstärken bis 5 mm auch ohne nachträgliche Wärmebehandlung interkristallin beständig ist. Er ist für eine Temperaturbeanspruchung bis 300 Grad Celsius zugelassen. Bei höheren Arbeitstemperaturen sollte der titanstabilisierte Stahl nach WS 1.4541 verwendet werden. Die Schweisbarkeit ist nach allen elektrischen Verfahren gut, ein Gasschmelzschweißen sollte nicht angewendet werden. Der Stahl hat eine sehr gute Polierfähigkeit und eine besonders gute Verformbarkeit durch Tiefziehen, Abkanten, Rollformen etc. Bei der Zerspanung muss wegen der Neigung zur Kaltverfestigung aus hochlegiertem Schnelldrehstahl oder Hartmetall gearbeitet werden.
Verwendung:
Der Stahl ist gegen Wasser, Wasserdampf, Luftfeuchtigkeit, Speisesäuren, sowie schwache organische und anorganische Säuren beständig und hat sehr vielfältige Verwendungsmöglichkeiten wie z.B. in der Nahrungsmittelindustrie, bei der Getränkeproduktion, in der Pharma- und Kosmetikindustrie, im chemischen Apparatebau, in der Archiktektur, im Fahrzeugbau, für Haushaltsgegenstände und -geräte, für chirurgische Instrumente, im Schank- und Küchenbau, bei Sanitäranlagen, für Schmuckwaren und Kunstgegenstände.
WS 1.4305 (X10CrNiS189)
Ein austenitischer 18/10 Cr-Ni-Stahl, der zur Verbesserung der Zerspanbarkeit mit Schwefel legiert ist, so dass eine Bearbeitung auf Automaten möglich ist. Durch den höheren Schwefelgehalt wird die Korrosionsbeständigkeit herabgesetzt. Sie ist besser als beim Werkstoff 1.4104 und entspricht etwa der von Werkstoff 1.4016.Für Kaltumformung ist diese Qualität nicht geeignet, ebenfalls nicht für Verbindungsschweißungen.
Verwendung:
Für Drehteile bei Automatenarbeiten, wenn eine bessere Korroisionsbeständigkeit als bei Werkstoff 1.4104 gwünscht wird.
WS 1.4306
Ein austenitischer, säurebeständiger 18/10 Cr-Ni-Stahl mit extrem niedrigem Kohlenstoffgehalt, was zu einer erhöhten Beständigkeit gegen interkristalline Korrosion führt. Auch Bleche über 6 mm müssen nicht nachbehandelt werden, selbst wenn sie unter weniger günstigen Verhältnissen geschweißt wurden. Die Schweissbarkeit ist nach allen elektrischen Verfahren gut, ein Gasschmelzschweissen sollte jedoch nicht angewandt werden. Der Stahl ist sehr gut polierfähig.Als Anhaltswert für die höchste Anwendungstemperatur werden 350 Grad Celsius angegeben. Wegen des extrem niedrigen Kohlenstoffgehaltes liegt die Härte, die Festigkeit und die Streckgrenze im abgeschrechten Zustandbesonders niedrig, niedriger als bei allen anderen austenitischen Cr-Ni-Stählen. Dadurch ergibt sich einbe besonders gute Kaltumformbarkeit. Wegen der Neigung zur Kaltverfestigung muss bei derZerspanung stets mit scharf geschliffenen Werkzeugen aus hochlegierten Schnelldrehstahl oder Hartmetall gearbeitet werden.
Verwendung:
Die chemische Beständigkeit ist vergleichbar mit der von 1.4301, so dass auch gleichartige Anwendungesmöglichkeiten bestehen. Die Kaltumformbarkeit ist jedoch noch besser.
WS 1.4401 (X5CrNiMo17122), WS 1.4404, WS 1.4571 (X6CrNiMoTi17122)
Diese Legierungen gelten als die klassischen V4A-Stähle. Im Allgemeinen wird in der Schweiz, Italien und Frankreich meisten WS 1.4404 verarbeitet, wenn die Stähle gewissen Säuren ausgesetzt sind. In Deutschland wird dafür meisten WS 1.4571 eingesetzt.
Nach allen bekannten Schweissverfahren sind diese Stähle sehr gut schweissbar. Eine Wärmebehandlung nach dem Schweissen ist im Allgemeinen nicht erforderlich. In Sonderfällen, wenn der Abbau von Schweißspannungen aus korrosionschemischen Gründen zweckmäßig erscheint, sollte eine Wärmebehandlung erfolgen (z.B. 1/2 h bei 900 ºC). Wie bei 1.4541 sollte für spanabhebende Bearbeitung nur gut geschliffenes Werkzeug verwendet werden. Die Stähle sind polierfähig.
Verwendung:
Die erhöhte Beständigkeit gegen Korrosion und Lochfraß prädestiniert diese Stähle für den Einsatz vor allem auf dem weiten Gebiet des chemischen Apparatebaus. Weitere Anwendungsgebiete: Kernkraft, Instrumentierung im Reaktorbau, Ofenbau, Sulfit-, Zellstoff-, Textil-, Farben-, Fettsäure-, fotochemische und pharmazeutische Industrie.
WS 1.4541 (X6CrNiTi1810)
Dieser Werkstoff besitzt eine hervorragende Beständigkeit gegenüber einer Vielzahl von aggressiven Medien einschließlich heißer Erdölprodukte, Dampf und Verbrennungsgase. Im Dauerbetrieb an Luft gute Oxidationsbeständigkeit bis ca. 900 ºC, bei Temperaturwechsel bis ca. 800 ºC. Bei Betrieb in Kohlendioxid beständig bis 650 ºC.
Nach allen bekannten Schweissverfahren gut schweissbar. Er ist mit Titan als Karbidbildner legiert und deshalb kornzerfalIsbeständig gemäß DIN 50914, so dass unabhängig vom Querschnitt eine thermische Nachbehandlung nach dem Schweißen nicht erforderlich ist. Der Werkstoff zeichnet sich durch gute Duktilität aus. Für spanabhebende Bearbeitung sind nur gut geschliffene Werkzeuge zu verwenden, da andernfalls eine starke Oberflächenverfestigung stattfindet, die eine weitere Bearbeitung erschwert.
Verwendung:
Kernkraft (auch in flüssigem Natrium), Instrumentierung im Reaktorbau, chem. Apparatebau (sehr gute Korrosionsbeständigkeit), z.B. Herstellung von Acetyl- und Salpetersäure, Wärmetauscher, Glühöfen, Papier- und Textilindustrie, Erdölverarbeitung und Petrochemie, Fett- und Seifenindustrie, Nahrungsmittelgewerbe, Molkerei- und Gärungsbetriebe.
WS 1.4841 (X15CrNiSi2520) (hitzebeständig)
Hervorragende Korrosionsbeständigkeit. Bei Betrieb in Kohlendioxid-haltiger Atmosphäre bis 900 ºC einsetzbar. Widerstandsfähig gegenüber rauchender Salpetersäure bei 20 ºC und geschmolzenen Nitraten bis zu 420 ºC Im Dauerbetrieb an Luft bis ca. 1150 ºC bei Temperaturwechsel bis ca. 1000 ºC einsetzbar. Die Verwendung des Werkstoffes im Bereich von 550 ºC bis 850 ºC kann für den Dauerbetrieb nicht empfohlen werden, da er zur s-Phasenausscheidung neigt und deshalb nach Abkühlung auf RT spröde wird.
Der Stahl ist geeignet für das Schmelzschweißen nach den verschiedenen Lichtbogenverfahren. Eine Vorwärmung sowie eine Wärmebehandlung nach dem Schweissen sind nicht erforderlich. Einwandfrei warm und kalt verarbeitbar. Nach Warm- und Kaltverformung wird eine Wärmebehandlung empfohlen (1050 ºC ~ 1100 ºC, Wasser- oder Luftabkühlung). Die spanabhebende Bearbeitung ist bei Verwendung hochwertiger Werkzeuge und richtiger Wahl der Schnittbedingungen ohne weiteres durchführbar. Die Verwendung von Hartmetall-Werkzeugen ist zu empfehlen.
Verwendung:
Überall da, wo die hervorragende Zunderbeständigkeit bei gleichzeitig hoher Warmfestigkeit von Vorteil ist. Wegen des hohen Ni-Gehalts allerdings empfindlich gegen schwefelhaltige Ofengase, besonders in reduzierender Atmosphäre. Speziell: Kraftwerke, Erdöl- und Petrochemie, Ofenbau, Wärmetauscher, Luftvorwärmer, Zementöfen, Ziegeleiöfen, Glasherstellung.
WS 2.4816
Gute Widerstandsfähigkeit gegenüber allgemeiner Korrosion und Spannungsrißkorrosion. In Kohlendioxid liegt Einsatzgrenze bei 500 ºC, da ab 650 ºC die Korrosion stark wird. In fl. Natrium sollte Alloy 600 nicht oberhalb 750 ºC eingesetzt werden, da ab dieser Temperatur Materialabbau erfolgt. Hervorragende Oxidationsbeständigkeit bis ca. 1150 ºC. Nicht einsetzbar oberhalb 550 ºC in schwefelhaltiger Atmosphäre. In chlorfreiem Wasser bis 590 ºC verwendbar.
Nach allen bekannten Schweißverfahren gut schweißbar. Vor dem Schweißen sollte geglüht werden. Gut löt- und hartlötbar. Sehr gute Duktilität. Als hoch nickelhaltige Legierung besitzt Alloy 600 bei hoher Temperatur sehr gute mechanische Eigenschaften. Da es sich um einen weichen, zähen Werkstoff handelt, wird die spanabhebende Verarbeitung erleichtert, wenn das Material nicht im geglühten sondern im walzharten Zustand bearbeitet wird.
Verwendung:
Standardwerkstoff für den Bau von Druckwasserreaktoren, Kernkraft, Ofenbau, Synthetikfaserherstellung, Glaswannenabzüge, Kunststoffindustrie, Papierherstellung, Nahrungsmittelverarbeitung, Dampfkessel, Destillationskolonnen, Flugmotoren.